So, jetzt da der Ansturm vorbei ist, ein paar Worte. Ich würde mich freuen, wenn es dazu auch ein bisschen Diskussion gäbe.

Wer von Twitter kam, der kennt Twitter als Box. Man tut Sachen hinein, die dann von anderen gesehen und idealerweise gemocht, geteilt, und kommentiert werden.

So funktioniert das #Fediverse aber nicht. Stattdessen ist das Fediverse ein Fluss. Von vielen Stellen werden Sachen erstellt, deren Existenz dann dem Fediverse bekannt gemacht wird. Das heißt man fragt sich weniger “wo finde ich Menschen, die mir folgen” sondern “welchen Content will ich als Strom an mir vorbei geschwemmt sehen.”

Und darin liegt die Crux. Wer das Fediverse nur als Mastodon und Mastodon nur als “besseres Twitter” sieht, der schaut am Tellerrand vorbei statt drüber. Es geht also nicht darum, “share, follow, like” zu sagen sondern “wo sind Deine Sachen, ich will Dich im Fediverse lesen und kommentieren können.” Was bedeutet: Deine Lieblings-Podcasts sollten auf einem Funkwhale Server landen. Deine Lieblings-Vlogs und Videos auf einem Peertube Server. Instagram? Nett hier, aber waren Sie schon mal auf Pixelfed? Mehr altmodisch: das Fediverse ist der Kiosk an der Ecke. Du willst dort Dein Lesematerial sehen. Und das klappt nur, wenn Du Deine Helden hier her bringst.

Sagen wir, Du magst Kanal X auf YouTube. Dann ist es jetzt Zeit, Kanal X dazu zu überreden, auch auf PeerTube präsent zu sein. Admins können das so einstellen, dass ganze Channels gespiegelt werden, Du musst also nicht viel tun. Und das Setup von PeerTube macht es sogar möglich, so einen Superchannel zu hosten ohne eine zweite Hypothek aufnehmen zu müssen.

Oder Du magst einen Podcast? Bringe den Podcaster in’s Fediverse. Als Bot, der automatisch neue Podcasts auch im Fediverse verfügbar macht, oder ganz als Podcast auf einer Funkwhale Instanz.

Blogs? Liesst die noch irgendwer? Wenn Dein Lieblingsblog auf WordPress ist, dann sollte es auch einen ActivityPub Stream haben. Und wenn nicht? Dann gibt es mit Bridgy (brid.gy) immer noch Wege, dass neue Posts auch im Fediverse landen.

Also. Im Fediverse geht es nicht darum, so viel wie möglich gelesen zu werden, sondern die Sachen die Dich interessieren hierher zu bringen, so dass Du sie lesen, kommentieren, drauf reagieren, und weiterverteilen kannst.

Das wäre Dein nächster Task. Lust auf was Neues?

@mikka Ich bin recht neu hier und fühle mich ein wenig auf den Schlips getreten. Normalerweise würde ich in dem Fall weiterscrollen, aber du hast dir ja eine Diskussion gewünscht.

Das, was du übers Fediverse schreibst: “wo finde ich Menschen, die mir folgen” sondern “welchen Content will ich als Strom an mir vorbei geschwemmt sehen.” Das war exakt, wie ich bisher Twitter genutzt habe, und wie die meisten kleineren Accounts Twitter nutzen. Die pauschale Unterstellung, alle 1/x

@UlrikeHeiss Etwa 90% der Diksussion um das Fediverse ist und war aber darüber, dass man hier "ja nicht gefollowed wird" und dass es hier "niemanden gibt, der mir folgt."

Das hat auch zu den 85% Karteileichen geführt, weil "hier ist ja nix" sehr oft "hier liesst mich niemand" war. Kennen wir aus der Vergangeheit mit Google+ oder Wander, beides geile Platformen zum Abonnement von Content, aber halt nicht Bubble/Blasen Applikationen in denen in einem geschlossenen Ökosystem Unterhaltungen stattfinden.

Stattdessen zirkelt das Fediverse um die Idee, dass Content kommentiert und auf Content reagiert werden kann. Wenn man das nutzt, dann ist das endgeil. Wenn man aber Twitter II erwartet, dann ist man schnell frustriert.

ActivityPub stellt, ganz aktiv, den Nutzer nach hinten. Das Kernstück des ActivityStream Protokolls ist das Object, nicht die Person. Damit sind z.B. Nutzer halt auch zwischen Instanzen erst mal nicht sichtbar (Stichwort: wie finde ich jetzt meine Blase?) und selbst die Aktivitäten von Nutzern nicht immer föderiert.

Wer nach Nutzern, nach der "Community" sucht, der wird ganz schnell gelangweilt oder frustriert sein. Wer aber nach Content sucht, der global kommentiert und auf den global reagiert werden kann, für den wird das Fediverse eine saugute Erfahrung.

Du hast jedes Recht zu tun, was immer Du willst. Aber wenn Du, wie ich schon sagte, von Party I in Café II gehst und niemand verrät Dir, dass das Bier hier eher scheiße aber der Kaffee geil ist... dann wirst Du halt nur das Bier trinken und Dich wundern warum irgend wer für das in's Fediverse geht.

@mikka Das finde ich interessant, entspricht aber überhaupt nicht meiner Erfahrung. Ich habe ganz viele Neue hier getroffen, aber die Art Diskussion, die du beschreibst, ist mir nicht ein einziges Mal begegnet. Das liegt wahrscheinlich an dem speziellen "Uferabschnitt" des "Flusses" , an dem ich sitze.
Die Analogie mit Bier und Kaffee finde ich hilfreich.
Wie etwas gedacht ist, ist nicht dasselbe, wie es benutzt wird. Ich erlebe hier eine Gemeinschaft, die mir gefällt. 1/2

@UlrikeHeiss So weit so absolut zugestimmt.

However, wie Du siehst sind da auch ein paar Dinge, die einfach Probleme bereiten. Zum Beispiel die Frage nach Hashtags (sind nur lokal und/oder aus föderiertem Direktcontent, wenn auf meiner Instanz Menschen über #medizin reden, aber nicht mit Menschen auf Deiner Instanz, dann siehst Du den Hashtag nicht) oder die Frage danach, wie "discoverable" Content ist.

Man kann das Fediverse auch als "Twitter" verwenden, ja. Aber dadurch entstehen genau die Blasen, die dann Menschen wieder verscheuchen. Weil die Technologie eben nicht auf x/🧵 ausgelegt ist sondern annimmt, dass ein Objekt besteht, nicht mehrere verlinkte Objekte.

Klar, das kann man simulieren, aber im Fediverse bedeutet das auch, dass außer Dir und mir niemand sieht, was vorher in 2/3 gestanden ist, wenn sie 3/3 lesen. In Misskey wird das etwas eleganter gelöst, aber in Mastodon oder Friendica, leider eher nicht.

Und deshalb denke ich, dass "Ja, Du kannst das hier als Twitter nutzen, aber das macht Deinen Content weniger discoverabel, Dich weniger sichtbar, und Du nutzt 99% der Platform nicht." keine schlechte Sache ist.

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@mikka @UlrikeHeiss

So habe ich das noch nicht betrachtet:

"ActivityPub stellt, ganz aktiv, den Nutzer nach hinten. Das Kernstück des ActivityStream Protokolls ist das Object, nicht die Person. Damit sind z.B. Nutzer halt auch zwischen Instanzen erst mal nicht sichtbar (Stichwort: wie finde ich jetzt meine Blase?) und selbst die Aktivitäten von Nutzern nicht immer föderiert."

Danke euch beiden für den Input!

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